OpenAI bringt Werbung nach Europa: Ab dem 24. August 2026 zeigt ChatGPT in 31 europäischen Ländern Anzeigen — darunter Deutschland, Österreich, Frankreich, Spanien, Italien und die Niederlande. Das hat das Unternehmen am 19. August angekündigt. Damit erreicht das Werbegeschäft, das OpenAI im Februar als Pilotprojekt in den USA gestartet hatte, erstmals den europäischen Massenmarkt — und muss sich dabei an den strengen Vorgaben der DSGVO messen lassen.
Wer die Anzeigen sieht — und wer nicht
Werbung erscheint ausschließlich bei Nutzern der kostenlosen Version sowie bei Abonnenten des günstigen Go-Tarifs (rund acht Euro pro Monat). Die teureren Abostufen Plus, Pro, Enterprise, Business und Education bleiben komplett werbefrei. Das ist eine bewusste Entscheidung: Von den nach Unternehmensangaben rund einer Milliarde ChatGPT-Nutzern weltweit zahlt nur ein kleiner Teil für ein Abo — das Branchenmagazin Digiday beziffert die Zahl der Plus- und Pro-Abonnenten auf etwa 35 Millionen. Die große Mehrheit nutzt den Dienst gratis und wird damit zur Zielgruppe des neuen Anzeigengeschäfts.
So funktionieren die Anzeigen
Die Anzeigen erscheinen unterhalb der Antworten und sind als „Sponsored" gekennzeichnet. OpenAI betont, dass Werbung klar von den eigentlichen Antworten getrennt ist und keinen Einfluss auf deren Inhalt hat: „Advertising does not influence the answers ChatGPT provides", heißt es in der Ankündigung. Zum Start sind die Anzeigen nicht personalisiert — ausgespielt werden sie auf Basis des aktuellen Gesprächsthemas, der ungefähren Standortregion, des Gerätetyps, der Tageszeit und der Sprache. Der Chat-Verlauf und die Memory-Funktion bleiben dabei außen vor.
Werbetreibende kommen zunächst nur über das OpenAI Ads Solutions Team sowie über Agentur- und Technologiepartner an Anzeigenplätze. Ein Self-Service-Zugang über den Ads Manager soll im Laufe des Sommers folgen.
DSGVO: Einwilligung für Personalisierung — aber kein Werbe-Opt-out
Rechtlich verantwortlich für europäische Nutzer ist OpenAI Ireland Limited in Dublin. Personalisierte Werbung — also Anzeigen auf Basis von Interessen und Werbe-Historie — gibt es nur nach ausdrücklicher Einwilligung, die sich in den Kontoeinstellungen jederzeit widerrufen lässt. Damit wählt OpenAI von Beginn an einen anderen Weg als etwa Meta, das jahrelang mit europäischen Regulierern über die Rechtsgrundlage seiner personalisierten Werbung stritt.
Einen Haken gibt es allerdings: Ganz ohne Kompromisse wird man die Anzeigen nicht los. Im Gratis-Tarif lässt sich in den Einstellungen zwar eine werbefreie Variante aktivieren — allerdings nur im Tausch gegen reduzierte Nachrichtenlimits und eingeschränkte Funktionen. Wer den vollen Funktionsumfang ohne Werbung will, muss auf einen der teureren Bezahltarife wechseln. Datenschutzexperten sehen darin laut Digiday einen sanften Druck in Richtung Bezahl-Abo. Zudem findet die Datenverarbeitung überwiegend außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums statt, vor allem in den USA.
Was bedeutet das?
Für deutsche Nutzer ändert sich ab kommender Woche der Alltag mit dem meistgenutzten KI-Chatbot spürbar: Die Gratis-Version bleibt zwar kostenlos, finanziert sich aber künftig über Anzeigen — ein Modell, das an die Entwicklung von Google und Facebook erinnert. Spannend wird, wie sich das auf das Vertrauen in die Antworten auswirkt. Genau an der Schnittstelle zwischen Empfehlung und Anzeige entscheidet sich, ob KI-Assistenten als neutrale Berater wahrgenommen werden — oder als Litfaßsäule mit Sprachbegabung. Für OpenAI ist der Schritt wirtschaftlich naheliegend: Das Unternehmen investiert Milliarden in Rechenzentren und Modelle, und Europa ist einer der größten ungenutzten Werbemärkte. Nach den USA, Kanada, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Japan, Südkorea, Mexiko und Brasilien ist die EU-Expansion der bislang größte Rollout des Anzeigengeschäfts — und zugleich sein härtester Praxistest in Sachen Datenschutz.