OpenAI DevDay 2026: GPT-6.1 Sol und Dots-Agenten – aber Europa bleibt außen vor

OpenAI DevDay 2026: GPT-6.1 Sol und Dots-Agenten – aber Europa bleibt außen vor

OpenAI hat am 29. September 2026 auf seiner Entwicklerkonferenz DevDay die nächste Ausbaustufe seiner KI-Plattform präsentiert. Im Mittelpunkt standen zwei Ankündigungen: das neue Modell GPT-6.1 Sol, das fast die Leistung des Spitzenmodells GPT-6 Astra zum Bruchteil des Preises liefern soll, und „Dots" – dauerhaft aktive KI-Agenten mit eigenem Cloud-Rechner. Für europäische Nutzer hat die Sache allerdings einen Haken: Ausgerechnet die spannendste Neuheit startet ohne die EU.

GPT-6.1 Sol: Fast Astra-Niveau zum Fünftel des Preises

GPT-6.1 Sol erscheint nur rund eine Woche nach dem Vorgänger GPT-6 Sol und kostet in der API 2 US-Dollar pro Million Input-Token und 10 US-Dollar pro Million Output-Token – gecachte Eingaben sogar nur 0,10 US-Dollar. Laut OpenAI erreicht das Modell bei agentischem Coding, Computernutzung und professionellen Aufgaben nahezu das Niveau von GPT-6 Astra, dem aktuellen Topmodell, zu einem Fünftel des Preises. Das Kontextfenster umfasst 1,05 Millionen Token, die maximale Ausgabe 128.000 Token.

In den veröffentlichten Benchmarks liegt GPT-6.1 Sol beim Computer-Use-Test OSWorld 2.0 sieben Prozentpunkte über GPT-6 Sol; die Faktenfehlerquote sank von 11,4 auf 7,7 Prozent. Das Modell ist ab sofort für Plus-, Pro-, Business-, Enterprise- und Edu-Nutzer in ChatGPT Work und Codex verfügbar, Entwickler erreichen es in der API als „gpt-6.1-sol". Dazu kommt eine neue „Ultrafast"-Option mit bis zu achtfacher Generierungsgeschwindigkeit (in der API bis zu sechsfach, rund 300 Token pro Sekunde) – zum sechsfachen Standardpreis.

Dots: Always-on-Agenten mit eigenem Cloud-Rechner

Die zweite große Neuheit heißt Dots: dauerhaft aktive KI-Agenten auf Astra-Basis, die mit einem eigenen Cloud-Computer samt Browser ausgestattet sind, Code schreiben und testen können und auf mehr als 4.000 angebundene Apps zugreifen. Konversationen mit Dots zählen dabei nicht gegen die üblichen ChatGPT-Limits. Der Rollout beginnt für Pro- und Business-Premium-Kunden „in berechtigten Märkten"; für Enterprise-, Bildungs- und Healthcare-Kunden startet eine Beta, die Administratoren erst aktivieren müssen.

Abgerundet wurde der DevDay von Codex-Neuerungen wie der „Codex Security Cloud", die GitHub-Repositories automatisch auf Sicherheitslücken scannt und Fixes vorbereitet, sowie einem neuen Pro-500-Tarif für 500 US-Dollar im Monat mit 25-facher Plus-Nutzung.

Europa bleibt außen vor

Der Wermutstropfen: Dots erreicht Pro-Nutzer im Europäischen Wirtschaftsraum, der Schweiz und Großbritannien vorerst nicht. OpenAI formuliert es knapp: „Dots will not reach Pro users in the European Economic Area, Switzerland or the UK for now." Einen Zeitplan für den EU-Start nennt das Unternehmen nicht. OpenAI steht damit nicht allein – auch Metas Agent Muse startet nur in den USA, und Apple liefert Siri AI in der EU nicht auf dem iPhone aus. Als Hintergrund gelten die europäischen Regelwerke: Always-on-Agenten brauchen weitreichenden Zugriff auf E-Mails, Kalender und Apps, was DSGVO-Fragen aufwirft, dazu kommen die seit August 2026 geltenden Transparenzpflichten des EU AI Act mit Bußgeldern bis 15 Millionen Euro oder drei Prozent des Jahresumsatzes.

Was bedeutet das für Anwender in Deutschland?

Die gute Nachricht zuerst: GPT-6.1 Sol selbst ist auch in Deutschland uneingeschränkt verfügbar – in ChatGPT-Bezahlplänen, in Codex und über die API. Wer agentische Coding-Aufgaben bisher mit dem teuren Astra-Modell erledigt hat, kann durch einen Wechsel auf Sol einen Großteil der Kosten sparen und sollte das mit eigenen Aufgaben nachmessen.

Bei Dots führt für deutsche, österreichische und Schweizer Nutzer derzeit nur ein Weg zum Ziel: ein Sitz im Business-Premium-Workspace für rund 100 US-Dollar (etwa 85 Euro) pro Person und Monat – der Pro-Tarif bleibt hierzulande außen vor. Unternehmen sollten vor dem Einsatz genau prüfen, welche Daten ein dauerhaft aktiver Agent mit eigenem Cloud-Rechner verarbeitet: Eine EU-Datenresidenz für die neuen Agenten-Funktionen bietet OpenAI bislang nicht an, ein Blick in den AV-Vertrag und eine Datenschutz-Folgenabschätzung sind Pflicht. Wer sensible Daten gar nicht erst in eine US-Cloud geben will, findet mit Open-Weight-Modellen wie GLM-5.2 oder DeepSeek V4 inzwischen leistungsfähige Alternativen für agentisches Coding auf eigener Hardware. Mittelständler fahren aktuell am besten zweigleisig: Sol per API testen, bei Dots aber abwarten, bis Verfügbarkeit und Datenschutzlage in der EU geklärt sind.

Quellen