MiniMax M3.1 Flash: Chinas neuer Preisbrecher verspricht 200 Token pro Sekunde

MiniMax M3.1 Flash: Chinas neuer Preisbrecher verspricht 200 Token pro Sekunde

Das chinesische KI-Unternehmen MiniMax hat am 19. Oktober 2026 sein neues Modell M3.1 Flash offiziell vorgestellt — und dreht damit weiter an der Preisschraube, an der zuletzt DeepSeek mit seinem V4.1-Flash-Update gedreht hatte. Das Reasoning-Modell kostet 0,15 US-Dollar pro Million Eingabe-Token und 0,60 US-Dollar pro Million Ausgabe-Token, verarbeitet Text und Bilder und soll nach Herstellerangaben im Alltag mehr als 200 Token pro Sekunde liefern. Die Modellgewichte sollen als Open Weights folgen.

Deutlicher Sprung gegenüber dem Vorgänger

Im Intelligence Index des unabhängigen Benchmark-Portals Artificial Analysis erreicht M3.1 Flash 42 Punkte — der Vorgänger MiniMax M3 kam auf 29. Damit liegt das Modell gleichauf mit GLM-5.3-Flash, knapp vor Googles Gemini 3.8 Flash (41 Punkte) und hinter DeepSeek V4.1 Flash (45 Punkte). In einzelnen Disziplinen sticht es heraus: Im anspruchsvollen Wissenstest „Humanity's Last Exam" erzielt es 48 Prozent und schlägt damit DeepSeek (43 Prozent). Beim Faktentreue-Benchmark AA-Omniscience beantwortet es 56 Prozent der Fragen korrekt — doppelt so viele wie GLM-5.3-Flash mit 28 Prozent.

MiniMax selbst stellt die Agenten-Fähigkeiten in den Mittelpunkt: Beim Coding-Benchmark DeepSWE v1.1 erreicht das Modell bis zu 73,7 Prozent, bei Kosten von unter 0,30 US-Dollar pro Aufgabe. Im Computer-Use-Test OSWorld V2 kommt es auf 61,7 Punkte. Kurioses Detail: Eine frühe Version lief bereits anonym unter dem Codenamen „Space Bunny" und verarbeitete dabei nach Firmenangaben über 200 Billionen Token.

70 Prozent günstiger, dreimal so schnell

Die Preisliste ist eine Kampfansage: 0,15 US-Dollar pro Million Input-Token, 0,60 US-Dollar für Output, gecachte Eingaben kosten sogar nur 0,015 US-Dollar. Nach MiniMax-Angaben sinken die Gesamtkosten für agentische Aufgaben damit um 70 Prozent gegenüber dem Vorgänger. Möglich macht das eine aggressivere Sparsity-Architektur, die nach MiniMax-Angaben zugleich fast dreifach schnellere Inferenz erlaubt — im Median über 170, in der Spitze über 200 Token pro Sekunde. Unabhängige Messungen von Artificial Analysis kamen zum Start allerdings nur auf rund 120 Token pro Sekunde — immer noch flott, aber deutlich unter dem Werbewert. Laut Artificial Analysis kostet ein kompletter Durchlauf des Intelligence-Index-Testpakets rund 0,22 US-Dollar und damit weniger als beim ohnehin günstigen DeepSeek V4.1 Flash (0,26 US-Dollar). Das Kontextfenster fasst bis zu eine Million Token.

Schwachstelle: Halluzinationen

Einen deutlichen Haken gibt es: Artificial Analysis misst eine Halluzinationsrate von 93 Prozent. Das Modell versucht, praktisch jede Frage zu beantworten, statt bei Unsicherheit zu passen. Für Recherche- und Faktenaufgaben ohne nachgelagerte Kontrolle ist M3.1 Flash damit nur bedingt geeignet — seine Stärken liegen klar bei Coding- und Agenten-Workflows, in denen Ergebnisse ohnehin automatisch geprüft werden.

Open Weights angekündigt — Pro-Variante folgt

Verfügbar ist M3.1 Flash ab sofort über die MiniMax-API, das M-Plan-Abo und die Desktop-App MiniMax Code. Die Modellgewichte will MiniMax später frei veröffentlichen; The Decoder nennt als Termin den 23. Oktober. Eine leistungsstärkere Pro-Variante soll ebenfalls folgen. Damit setzt MiniMax den Kurs der chinesischen Anbieter fort, Spitzenmodelle kurz nach dem API-Start als Open Weights freizugeben — eine Modellstrategie, die den Preisdruck auf OpenAI, Anthropic und Google weiter erhöht.

Was bedeutet das für Anwender in Deutschland?

Die API wird in US-Dollar abgerechnet und läuft über die Plattform eines chinesischen Anbieters — personenbezogene oder vertrauliche Daten haben dort ohne zusätzliche Garantien nichts verloren, denn eine DSGVO-konforme Auftragsverarbeitung mit EU-Serverstandort bietet MiniMax nicht an. Spannend wird es mit dem angekündigten Open-Weight-Release: Sobald die Gewichte frei verfügbar sind, lässt sich das Modell bei einem deutschen oder europäischen Hoster — oder im eigenen Rechenzentrum — vollständig DSGVO-konform betreiben, wie es mit dem Vorgänger MiniMax M3 heute schon möglich ist. Für den Mittelstand heißt das konkret: M3.1 Flash jetzt mit unkritischen Daten für Coding- und Automatisierungsaufgaben testen, für den Produktivbetrieb mit sensiblen Daten aber auf die Gewichte warten und selbst hosten. Wer das Modell als Teil eigener Produkte einsetzt, sollte die Transparenzpflichten des EU AI Act für Systeme auf Basis von Allzweck-KI im Blick behalten — und wegen der hohen Halluzinationsrate faktenkritische Ausgaben grundsätzlich gegenprüfen lassen.

Quellen