Lyria 3.5: Google bringt kostenlose KI-Musik in die Gemini-App

Lyria 3.5: Google bringt kostenlose KI-Musik in die Gemini-App

Google hat sein Musikmodell Lyria 3.5 direkt in die Gemini-App integriert. Seit dem 4. September 2026 können alle Gemini-Nutzer weltweit komplette Songs mit Gesang per Texteingabe erzeugen — im Web ebenso wie in der Mobil-App. Parallel öffnet Google das Modell über die Gemini-API für Entwickler. Damit greift der Konzern etablierte KI-Musikdienste wie Suno und Udio frontal an.

Songs bis drei Minuten — mit Gesang und getimten Lyrics

Lyria 3.5 erzeugt nach Googles Angaben Stereo-Audio in 44,1 kHz mit Gesang, zeitlich abgestimmten Songtexten und vollständigen Instrumental-Arrangements. Die Länge ist flexibel wählbar: Vom 60-Sekunden-Clip bis zum kompletten Drei-Minuten-Song hält das Modell die gewünschte Dauer als zusammenhängenden Track ein. In der Gemini-App wählen Nutzer Genre und Stil, entscheiden zwischen Gesang und Instrumental und greifen auf neue Vorlagen zurück — etwa für Hintergrundmusik oder personalisierte Geburtstagslieder.

Gegenüber dem Vorgänger verspricht Google ausdrucksstärkere Gesangsstimmen, reichere Arrangements und komplexere melodische Strukturen sowie eine präzisere Umsetzung der Texteingaben. Der Konzern bezeichnet Lyria 3.5 als sein bislang am besten klingendes Musikmodell.

Von Flow Music in den Massenmarkt

Ganz neu ist das Modell nicht: Lyria 3.5 debütierte bereits am 29. Juli 2026 in Google Flow Music, dem Werkzeug für Musiker und Kreative. Mit dem Schritt in die Gemini-App erreicht die Musikgenerierung nun aber den Massenmarkt. Zusätzlich steht das Modell in Google AI Studio und in Google Vids bereit. Über die API bietet Google zwei Varianten an: Lyria 3 Clip für 30-Sekunden-Schnipsel und Lyria 3.5 für vollständige Songs. Preise für die API-Nutzung nannte Google zum Start nicht.

Wasserzeichen und lizenzierte Trainingsdaten

Jeder generierte Track trägt ein unhörbares SynthID-Wasserzeichen, über das sich die Dateien als KI-generiert identifizieren lassen — mehr dazu im Glossar unter KI-Wasserzeichen. Beim Training betont Google, ausschließlich lizenzierte Inhalte verwendet zu haben, nennt aber keine Details zu den Datenquellen. Diese Abgrenzung ist kein Zufall: Konkurrent Suno steht juristisch unter Druck — ein deutsches Gericht stellte bei den Ausgaben des Musikgenerators Urheberrechtsverletzungen fest.

Was bedeutet das für Anwender in Deutschland?

Lyria 3.5 ist ab sofort auch in Deutschland in der Gemini-App verfügbar, ein kostenpflichtiges Abo ist dafür nicht erforderlich — mögliche Nutzungslimits für Gratis-Konten hat Google allerdings nicht im Detail beziffert. Wer die Songs nur privat oder für interne Zwecke nutzt, etwa als Hintergrundmusik für Präsentationen oder Podcast-Intros, geht wenig Risiko ein. Vor einer kommerziellen Veröffentlichung — auf YouTube, in Social-Media-Kampagnen oder in Werbung — sollten Unternehmen dagegen Googles Nutzungsbedingungen prüfen: Das deutsche Suno-Urteil zeigt, dass KI-Musik urheberrechtlich umkämpft ist. Relevant ist auch der EU AI Act: Er verlangt Transparenz bei synthetischen Inhalten, das SynthID-Wasserzeichen erleichtert Plattformen künftig die Kennzeichnung. Zu beachten bleibt der Datenschutz: Prompts und generierte Inhalte laufen über Google-Server, einen EU-Serverstandort sichert Google für die Gemini-App nicht zu. Wer Audiodaten im eigenen Haus behalten will, findet mit MusicGen und Stable Audio Open zwei Open-Weight-Alternativen für lokale Hardware. Einen Überblick über weitere Dienste bietet unsere Kategorie Musik-KI sowie die Detailseite zu Google Lyria.

Quellen