Führungswechsel bei Google DeepMind: Hassabis tritt zurück, Kavukcuoglu übernimmt

Führungswechsel bei Google DeepMind: Hassabis tritt zurück, Kavukcuoglu übernimmt

Google ordnet die Führung seiner KI-Sparte grundlegend neu: Demis Hassabis, Mitgründer und langjähriger Chef von Google DeepMind, gibt die operative Leitung ab. Er wird Chairman von Google DeepMind und übernimmt zusätzlich die Rolle des Chief Scientist beim Mutterkonzern Alphabet. Das Tagesgeschäft führt künftig Koray Kavukcuoglu, bislang Technikchef von DeepMind. Und als wäre das nicht genug Umbruch für eine Woche, verlässt mit Jeff Dean einer der prägendsten Ingenieure der Firmengeschichte das Unternehmen — nach 27 Jahren.

Was sich konkret ändert

Kavukcuoglu übernimmt als Senior Vice President von Google DeepMind die Verantwortung für die Entwicklung der Gemini-Modelle, die Frontier-KI-Forschung sowie die Gemini-App und die Entwickler-Teams. Er berichtet direkt an Google-CEO Sundar Pichai — einen eigenständigen CEO-Titel, wie ihn Hassabis trug, erhält er nicht. Die KI-Sparte rückt damit organisatorisch noch enger an den Mutterkonzern heran.

Hassabis selbst will sich künftig auf die langfristige AGI-Strategie und wissenschaftliche Anwendungen von KI konzentrieren. In der offiziellen Mitteilung spricht er sinngemäß von einem Wendepunkt der Menschheitsgeschichte, an dem die nächsten Schritte entscheidend seien. Seine Rolle beim Alphabet-Schwesterunternehmen Isomorphic Labs, das KI-gestützte Wirkstoffforschung betreibt, behält er. DeepMind-Mitgründer Shane Legg bleibt als Chief AGI Scientist an seiner Seite.

Wer ist Koray Kavukcuoglu?

Der aus der Türkei stammende Informatiker promovierte an der New York University bei KI-Pionier Yann LeCun und stieß 2012 zu DeepMind — lange bevor Google das Londoner Labor übernahm. Zuletzt war er Chief Technology Officer von DeepMind und Chief AI Architect von Google. Intern galt er schon länger als die treibende Kraft hinter der Gemini-Modellentwicklung; die Beförderung formalisiert eine Arbeitsteilung, die sich über das vergangene Jahr bereits abgezeichnet hatte.

Jeff Dean geht nach 27 Jahren

Parallel zur Rochade an der Spitze verliert Google seinen wohl bekanntesten Ingenieur: Jeff Dean, der die technische Infrastruktur des Konzerns über Jahrzehnte mitgeprägt hat, gründet gemeinsam mit Sanjay Ghemawat, Oriol Vinyals und Quoc Le ein eigenes Unternehmen. Das Startup namens Discovery Loop ist als Public Benefit Corporation angelegt und will Forschung in den Bereichen Machine Learning, Wissenschaft und Engineering automatisieren. Ganz löst sich die Verbindung allerdings nicht: Google steigt als Gründungsinvestor ein und wird Cloud-Partner der neuen Firma.

Was bedeutet das?

Der Umbau kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Das angekündigte Spitzenmodell Gemini 3.5 Pro, ursprünglich für Juni geplant, wurde mehrfach verschoben, während OpenAI und Anthropic im Wochentakt nachlegen. Dazu kommen prominente Abgänge: Transformer-Miterfinder Noam Shazeer wechselte zu OpenAI, Nobelpreisträger John Jumper zu Anthropic. Die Börse reagierte entsprechend nervös — die Alphabet-Aktie gab nach Bekanntwerden der Umstrukturierung um rund fünf Prozent nach.

Dabei sind die Nutzerzahlen durchaus beeindruckend: Laut Google kommt Gemini inzwischen auf über 950 Millionen monatliche Nutzer, die offene Modellfamilie Gemma auf mehr als 900 Millionen Downloads. Das Problem ist nicht die Reichweite, sondern das Tempo an der Spitze. Mit der neuen Struktur bekommt Google eine klarere Kommandokette für das Rennen um die leistungsfähigsten Modelle — und Hassabis den Freiraum, sich der Grundlagenforschung zu widmen. Ob eine Personalrochade allein die Modellverzögerungen behebt, ist offen. Der erste große Prüfstein für die neue Führung steht schon fest: die Auslieferung von Gemini 3.5 Pro.

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